Newsmeldung

01.04.2013
ralf gensch
autor: 
kin.deumwelt - Ostharz Naturschutz Update
ostharz
War in den vergangenen Jahren auch recht wenig zu hören aus den östlichen Teilen des Harzes, so soll die Arbeit und auch die Informationspolitik in der kommenden Zeit verbessert und intensiviert werden. Erste Ansätze sind schon gemacht, Weiteres wird folgen.
Wie immer in diesem Bereich ist es wichtig aus guten und schlechten Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen. Erfolg haben immer die Regelungen, die nachvollziehbar sind und von der Mehrheit, am besten von allen, getragen und vor allem respektiert werden. Diese Bitte möchte ich hier schon einmal voran stellen, wohl wissend, dass wir im Ostharz an einigen Stellen noch keine akzeptablen Regelungen gefunden haben.

Beginnen wir mit dem wesentlichen Knackpunkt – Paules Kletterbibel Ostharz. In allen Ausgaben (besonders in der neuesten!) fehlen direkte Hinweise zur Sperrungssituation, was in der Vergangenheit mehrfach zu Komplikationen mit den Naturschutzbehörden geführt hat, da einige Kletterer mit druckfrischen Exemplaren direkt in explizit gesperrte NSGs spaziert sind. Gemessen an dem zur Zeit bekletterbaren Fels wäre das Buch nur ein Drittel so dick! Umso wichtiger ist es, diese Informationen vorher einzuholen. Auch im Felsinformationssystem, welches zum Teil darauf basiert, sind nicht alle Formulierungen korrekt und verständlich. Dies wird demnächst auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Um trotzdem einen ungetrübten Kletterspaß zu ermöglichen und vielleicht Besuche in Gebieten zu vermeiden, die ob ihrer mager-keksigen Qualität eher zu Horrortrips werden, empfehle ich die nachfolgenden Gebiete für die kommende Saison:

Steinbachtal bei Thale
Schnarcherklippen bei Schierke
Feuersteine, Vogelherdklippe bei Schierke (toleriert im Nationalpark)
Ottofelsen, Silberwand bei Wernigerode
Paternosterklippen bei Ilsenburg(toleriert im Nationalpark)
Kamelfelsen bei Westerhausen (Brutsperrzeit vom 1.3.- 31.7 für alle drei Felsen)
Großer Gegenstein bei Ballenstedt

Aktuelle Entwicklungen
Im Nationalpark ist bei einer Neuerung einer Verordnung die rechtliche Grundlage des Kletterns nicht erhalten geblieben. Das Klettern an den oben erwähnten Felsen wird aber offensichtlich ohne weiteres weiter toleriert. Ein erstes Gespräch mit dem NP ist in Vorbereitung.
In Thale im Steinbachtal soll ein kommerzieller Klettersteig von einem privaten Betreiber errichtet werden. Der DAV hat sich mit viel Mühe und Engagement in den Planungsprozess eingebracht und im Ergebnis sichergestellt, dass die Kriterien des DAV eingehalten werden. Zum Kompromiss gehört leider, dass eventuell drei Kletterrouten tangiert werden. Allerdings sind diese recht abgelegen und sehr selten geklettert worden. Wir werden den Prozess weiter begleiten und ein Auge auf den Erhalt der bestehenden Kletterrouten haben.
Beim Bouldern und Klettern befindet man sich häufig in touristischen Bereichen oder in der Nähe von Siedlungen. Es sei deshalb noch einmal darauf hingewiesen, dass das Verhalten von uns allen bei jedem Menschen einen positiven Eindruck hinterlassen muss. Dazu zählen ein freundliches und unauffälliges Verhalten, spurenloses Verlassen der Felsen (gern putzt die Bürste auch mal vorhandene Spuren, aber vor allem die eigenen) und ein Bier oder ein Eis in der Schänke nebenan im Ort. Trotz einiger intensiver Bemühungen konnte bei der Novellierung der Verordnung für den Bereich Teufelsmauer bei Wedderleben/Neinstedt keine Regelung zur Wiederfreigabe erlangt werden. Dieses Gebiet bleibt also weiter gesperrt, ein „Ranger“ kontrolliert die Einhaltung des NSG Wegegebots.
Weitere bedeutsame Sperrungen behalten ihre Gültigkeit in den Bereichen Bodetal, Kleiner Gegenstein, Ilsenburger Raum Ilsestein und restliche Felsen im Nationalpark.

Im letzten Jahr haben zwei Vorfälle im Bereich des Regensteinmassivs zu Missstimmung geführt. Zum einen wurden bei einem „Tag der offenen Tür“ im Militärsperrgebiet nicht genehmigte Kletteraktivitäten beobachtet. Da in diesem Bereich Uhu oder Wanderfalke brüten, sind Beeinträchtigungen möglich. Dieses durch Unkenntnis verursachte Ereignis zeigt, wie schnell durch die Aktion von Wenigen „die Kletterer“ pauschal in Misskredit gebracht werden.
Ähnlich verhält es sich mit einem Vorfall im Bereich der Burgruine Regenstein, wo Kletteraktivitäten eventuell dazu geführt haben, dass der Jungvogel das Nest zu früh verlassen hat und dies im schlimmsten Fall nicht überlebt hat. Die Ereignisse lassen sich nicht mehr konkret nachvollziehen, wir müssen jedoch dringend dafür sorgen, dass sich Ähnliches nicht wiederholt. Das Klettern an den Felsen um die Burganlage ist aus Denkmalschutzgründen sowieso nicht erlaubt. Auch hier gibt leider der Kletterführer keine Auskunft und die Angestellten vor Ort können die Lage oft nicht beurteilen.

Somit möchten wir als Landesverband alle Einheimischen und Besucher dazu aufrufen, in der kommenden Saison die erwähnten Probleme zu berücksichtigen und alle Regelungen ein zu halten. Trotz einiger unbefriedigender Sperrungen ist unser Verhältnis zu den Behörden gut und lässt auf eine weitere konstruktive Zusammenarbeit hoffen. Bitte tragt diese Informationen in die Vereine und an jeden, der potentiell hier unterwegs sein wird!
Gern gebe ich auch persönlich Auskunft, sofern Unsicherheiten bestehen. Immerhin bieten sich Möglichkeiten in der Zukunft Spielraum bieten. Zu nennen wäre schon jetzt ein noch jungfräulicher Steinbruch direkt bei Wernigerode, der zwar viel Putzarbeit verlangt, aber einige recht schwere Neutouren ermöglicht. Des Weiteren arbeiten wir an grottenartigen Felsen mit Schwerkletterpotential im Bereich Rübeland, die Klärung steht aber auf Grund des Status als FFH Gebiet noch aus. Des Weiteren freuen wir uns natürlich nicht nur über jeden Besucher, sondern auch über Erfahrungen und Hinweise, die dazu dienen das naturverträgliche Klettern in der Zukunft im gesamten Harz weiter zu anzugleichen und zu entwickeln.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine sonnige Saison und viele Rote Punkte am Fels!
Kontakt: Ralf Gentsch 03943 608131/ ralf-gentsch@gmx.net

Ostharz Naturschutz Update (pdf)
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